Gedenkstättenfahrt nach Oświęcim / Auschwitz

Autor/in: P. Astore

- Darüber zu sprechen, ist unmöglich, darüber zu schweigen, verboten -
              (Elie Wiesel – Überlebender des Holocaust)

Bei schönstem Sonnenschein trafen sich bereits am Sonntagnachmittag die neun teilnehmenden Schüler und Schülerinnen der 11. Klassen mit Herrn Rall, unserer begleitenden Studentin Paula Baumgarten und mir, Herrn Astore, im Gemeindehaus von St. Marien in Angermünde, um die Gedenkstätten in Auschwitz zu besuchen.

In Vorbereitung auf diese besonders emotional herausfordernde Reise zu den Konzentrationslagern von Auschwitz, hatte Herr Rall uns mit Fingerspitzengefühl, aber auch mit der harten Realität des Holocaust konfrontierend, in eines der dunkelsten Kapitel der Menschheit eingeführt. Sorgen und Ängste der Teilnehmer und Teilnehmerinnen bezüglich der bevorstehenden Tage wurden besprochen. Der Sonntag war, wie auch in den letzten Jahren, ein sehr wichtiger Tag, um die Reise nach Auschwitz anzutreten.

Ein gemeinsames Pizzaessen im Gemeindehaus sorgte für ein schönes und entspanntes Kennenlernen und Einstimmen auf die gemeinsame Woche und rundete den Tag sehr schön ab. Dann ging es auch schon bald in den Schlafsack und auf die Klappmatratze.

Am nächsten Morgen klingelten einige Wecker, manche zu oftl und andere zu früh (4:30 Uhr!), aber das Ziel war um 6:33 Uhr den Zug nach Berlin zu nehmen. Das sehr ordentlich hinterlassene Gemeindehaus verließen wir dann um 6:00 Uhr in Richtung Angermünder Bahnhof.
Nach dem Umstieg in Berlin Gesundbrunnen in den Eurocity nach Katovice, genossen einige von uns die Köstlichkeiten des polnischen Bordbistros (klare Empfehlung: Pierogi ruskie, die Kartoffelpuffer dagegen waren diesmal leider durchgefallen!)
Abends, in Oświęcim angekommen (pünktlich!), hatten wir noch einen kurzen Fußweg von 10 min und erreichten dann unsere sehr komfortable Unterkunft mit Gemeinschaftsküche und großzügiger Außenterrasse; hier im Freien führten wir dann in den nächsten Tagen unsere gemeinsamen Reflexionsgespräche nach den Besuchen der jeweiligen Gedenkstätten.
Am nächsten Tag tauchten wir mit Herrn Rall, unserem persönlichen Stadtführer, in die Geschichte der Stadt Oświęcim ein; am Fluss Soła entlangspazierend konnten wir dann die letzte erhaltene der einst 20 Synagogen erreichen und besichtigen; dazu auch noch das direkt daneben integrierte jüdische Museum sowie das unmittelbar angrenzende koschere Café Bergson.

Nach einer längeren Mittagspause betraten wir dann am Dienstag gegen 17 Uhr das Gelände des Stammlagers des KZ Auschwitz. Zunächst mussten wir die Sicherheitskontrolle passieren; Gürtel ausziehen, Smartphone, Portemonnaie und Tasche in die Schale - Step forward! Stop! Next! – We‘ve made it!

Ein Tunnel führt dann von dort aus auf das eigentliche Gelände des Stammlagers; dabei hört man aus den Lautsprechern die Namen der dort von den Nazis ermordeten Menschen. Dieser Weg führt von unserer heutigen Realität in die Realität der Vergangenheit – wir gingen diesen Weg mit Bedacht und Ruhe und betraten schließlich diesen Ort des unvorstellbaren Leids. Der Besuch des um das mehr als das zehnfach größere Lager II von Auschwitz-Birkenau zeigte uns dann am folgenden Tag die ganze Monstrosität des größten Vernichtungslagers der Nazis.
„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen“ – dieses Zitat des italienischen Schriftstellers und Chemikers Primo Levi, der das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebt hatte, und Herr Rall uns immer wieder ins Gedächtnis rief, hat sich tief in mir festgesetzt. Es macht allen Menschen unmissverständlich klar, was passieren kann, wenn wir Menschen unsere Menschlichkeit verlieren, die Würde eines jeden Mitmenschen nicht mehr achten.

Nicht nur mich, auch alle Schülerinnen und Schüler hat dieser Ort sichtlich tief berührt. Die Fassungslosigkeit über das Geschehene bleibt - daran zu erinnern und zu mahnen ist unser aller Aufgabe.